Heilwasser von innen
Die Trinkkur ist die älteste und zugleich unterschätzteste Form der Heilwasser-Anwendung: Statt im Quellwasser zu baden, trinkt man es — in festgelegten Mengen, über Tage oder Wochen, meist morgens und direkt an der Quelle. Die Mineralien der jeweiligen Quelle wirken dabei über den Verdauungsweg; klassische Einsatzfelder sind Magen-Darm-Beschwerden, Stoffwechsel und Harnwege, je nach Quellprofil.
Brunnenhallen, Kolonnaden, Kurbecher
Um die Trinkkur ist eine eigene Architektur und Etikette entstanden: Brunnenhallen und Wandelgänge, in denen das Wasser auch bei Regen flaniert getrunken werden konnte, und die charakteristischen Kurbecher mit Trinkschnabel, die das schluckweise Trinken im Gehen erlauben. Die böhmischen Bäder um Karlsbad und Marienbad haben diese Kultur zur Perfektion getrieben; in Deutschland tragen die traditionsreichen Heilbäder — etwa Bad Kissingen mit seinen sieben Heilquellen — dieselbe Linie.
Wie eine Trinkkur abläuft
Im Kur-Kontext wird die Trinkkur ärztlich verordnet: Welche Quelle, welche Menge, zu welcher Tageszeit — das hängt vom Quellprofil und vom Anliegen ab, denn Heilwässer sind unterschiedlich stark mineralisiert und nicht jedes Wasser passt zu jedem Magen. Als Faustregel der Kurorte gilt: langsam und schluckweise trinken, am besten nüchtern, und die Kur über mindestens ein bis drei Wochen führen. Wer ohne Verordnung probiert, beginnt mit kleinen Mengen.
Die Trinkkur heute
Im Wellnesshotel begegnet die Trinkkur meist in ihrer leichten Form: als Heilwasser-Brunnen im Spa, als Teebar-Pendant oder als begleitendes Element von Fasten- und Detox-Programmen. Die volle Form — täglicher Gang zur Quelle, Becher in der Hand, Wandelhalle im Blick — gehört zu den schönsten Ritualen der klassischen Kurorte und ist ein Grund mehr, ein echtes Heilbad zu bereisen.



