Therapie unter Tage
Der Heilstollen ist die unterirdische Variante der Klimatherapie: In ehemaligen Bergwerken und natürlichen Höhlen herrscht ein über das Jahr nahezu konstantes Mikroklima — kühl, hochfeucht, praktisch staub-, pollen- und schadstofffrei. Die Speläotherapie nutzt genau das: Patienten und Gäste verbringen Liegekuren von ein bis zwei Stunden unter Tage und lassen die reine Luft auf die Atemwege wirken.
Wie das Stollenklima wirkt
Die gesättigt-feuchte, kalte Luft (oft um 4 bis 12 °C) beruhigt gereizte Atemwege, die Allergenfreiheit verschafft dem Immunsystem Pause, und in Salz- und Mineralstollen kommt die Aerosol-Komponente dazu. Klassische Einsatzfelder sind Asthma, chronische Bronchitis und allergische Atemwegserkrankungen — in jüngerer Zeit auch die Rehabilitation nach Atemwegsinfekten. Die Anwendung ist denkbar einfach: warm eingepackt liegen und atmen.
Vom Bergwerk zum Kurbetrieb
Viele Heilstollen sind zweite Karrieren: Der Heilstollen am Silberberg in Bodenmais etwa führt das Erbe des historischen Bergbaus als Therapiestation fort — kombiniert mit dem heilklimatischen Kurort darüber ein doppeltes Klima-Angebot. Ähnliche Adressen tragen die Kur-Landschaft von den Alpen bis ins Mittelgebirge; einige Salzbergwerke verbinden den Stollen mit Besucherbetrieb und Salzgrotten-Ablegern über Tage.
Heilstollen im Wellnessurlaub
Für Wellnessreisende ist der Heilstollen der vielleicht ungewöhnlichste Halbtagespunkt einer Region: ein bis zwei Stunden Liegekur in absoluter Stille und reinster Luft, danach zurück ins warme Hotel. Wer im Bayerischen Wald wohnt — etwa in Bodenmais —, hat Stollen und Spa am selben Ort; Atemwegs-Geplagte planen gleich mehrere Termine über den Aufenthalt verteilt.




