30. April 2014

Tierische Wellness: Vom Schlangen-Auflegen bis zur Fisch-Pediküre

Die Wellness-Branche gilt als ausgesprochen erfinderisch. Eine klassische Massage ist zwar wirksam, fürs Marketing aber etwas altbacken. Nachdem inzwischen auch traditionelle Heilkünste wie Ayurveda aus Indien oder die „Lomi Lomi Nui"-Massagen aus Hawaii vielerorts im Programm stehen, kursiert ein weiterer, deutlich skurrilerer Trend: die Behandlung mit Tieren.

Fisch-Pediküre
Fisch-Pediküre statt klassischer Massage. Bild: Yamada Kazuyuki (doctor fish) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Gemeint ist nicht der altbekannte Einsatz von Blutegeln, sondern zum Beispiel das Auflegen von Schlangen, deren kriechende Bewegungen die Muskulatur entspannen sollen.

Angenehmer für Menschen mit Schlangen-Phobie ist wohl der Einsatz der „Rötlichen Saugbarbe" (auch „Garra Rufa" oder „Kangalfisch" genannt), die ohne zu fragen abgestorbene Hautschüppchen abknabbert — praktisch für eine Fisch-Pediküre.

So skurril das klingt, so umstritten ist es: Bei der Fisch-Pediküre warnen Fachleute vor Hygiene- und Infektionsrisiken — in mehreren US-Bundesstaaten ist sie verboten —, und auch unter Tierschutz-Gesichtspunkten ist „tierische Wellness" heikel. Wer Wert auf belastbare Wirkung und ein gutes Gewissen legt, ist mit einer klassischen Massage am Ende meist besser bedient.

In der Presse war das Phänomen immer wieder Thema:

  • Blutegel, Schlangen, Nachtigallkot – Bei diesen Wellness-Methoden geht es tierisch zu (RP Online)
  • Stressabbau mit Pythons im Wellnesstempel (Die Welt)
  • Knabbern für die Schönheit (Fit for Fun)
  • NRW-Behörden haben Tierschutz-Bedenken: Gerichts-Streit um „Knabber-Fische" (WDR)

Häufige Fragen

Was ist eine Fisch-Pediküre?

Bei der Fisch-Pediküre knabbern kleine Garra-Rufa-Fische (auch „Kangalfische" oder „Rötliche Saugbarben") abgestorbene Hautschüppchen von den Füßen. Bekannt wurde die Methode aus der Türkei rund um die Stadt Kangal; in Spas wird sie als kurioses Beauty-Erlebnis angeboten.

Ist eine Fisch-Pediküre hygienisch unbedenklich?

Sie ist umstritten. Da dasselbe Becken von vielen Gästen genutzt wird, warnen Fachleute vor Hygiene- und Infektionsrisiken; in mehreren US-Bundesstaaten ist die Fisch-Pediküre verboten. Wer offene Wunden, Hauterkrankungen oder Diabetes hat, sollte darauf verzichten — und auch der Tierschutz-Aspekt ist nicht von der Hand zu weisen.

Was hat es mit der Schlangenmassage auf sich?

Dabei werden lebende, ungiftige Schlangen auf den Körper gelegt; ihre kriechenden Bewegungen sollen die Muskulatur entspannen. Belege für eine über das Erlebnis hinausgehende Wirkung gibt es nicht — es ist eher Nervenkitzel als Therapie, und für Menschen mit Schlangen-Phobie ohnehin nichts.

Bringt tierische Wellness wirklich etwas?

Vor allem Aufmerksamkeit. Als Kuriosität und Erlebnis mag das seinen Reiz haben, doch belastbare Wirkung und gute Hygiene bieten klassische Anwendungen wie eine Massage oder ein Peeling zuverlässiger — ganz ohne Tierschutz-Fragezeichen.